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Robbenschlachten
Robbenjagt -Massaker an Robbenbabys

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Fast drei Millionen Sattelrobben nehmen jedes Jahr eine 3000 Kilometer weite Wanderung auf sich, um in Kanada am Sankt Lorenz-Golfes und vor der Küste Neufundlands ihre Babys zu gebären. Die Geburt weit außerhalb der arktischen Lebensräume -ein genialer Trick, der lange Zeit Sinn machte: Hier im "Süden" gibt es die größte Gefahr für die Babys, die Eisbären, nämlich nicht mehr. Das ist der Grund für die Zutraulichkeit: Sie lassen alles an sich heran, weil sie hier draußen eigentlich niemanden zu fürchten haben... |
Von Natur aus nicht. Doch jetzt bedrohen zwei neue Gefahren die weltgrößte Kinderstube. Einerseits die Klima-Erwärmung: Die Eisbedeckung erreicht jedes Jahr neue Minusrekorde. Wenn die Kleinen vor dem Fellwechsel von brechenden Schollen ins Wasser rutschen, sind sie zum Ertrinken verdammt. Und zweitens erlaubt Kanada jetzt wieder die Robbenjagd, nachdem dank weltweiter Proteste in den vergangenen zwei Jahrzehnten weitgehend Ruhe war.
275000 Tieredurften bis Juni geschossen, aufgespießt, erschlagen werden; 90 Prozent davon Junge. Laut dem Robbenexperten Prof. David Lavigne sind das zwei- bis sechsmal mehr, als der Bestand verkraften könne, wenn er in gleichem Umfang fortbestehen soll.
Der Skandal: Ihr Sterben ist sinnlos. Es gibt keine nenneswerten Abnehmer für das tranig schmeckende Robbenfleisch oder die in den USA und Europa verpönten Felle. Die skurrilen Vermarktungsversuche der Canadian Sealers Association im Internet für Autositz-bezüge, Salami und Robbenpizza ändern daran nichts, und dank der Potenzpille Viagra bricht derzeit auch der Markt für Pülverchen aus Robbenpenissen in Ostasien zusammen.
Trotzdem wird das blutige Halali auf dem Eis großenteils durch staatliche Zuschüsse finanziert. Die Behörden zahlen den Robbenschlächtem insgesamt über drei Millionen kanadische Dollar pro Saison. Offizielle Begründung: Die Tiere dezimieren den Fischern die Kabeljau-Bestände. Quatsch, sagt Prof. Lavigne: "Robben
ernähren sich viel mehr von den natürlichen Feinden des Kabeljaus! Je mehr Robben, desto mehr Fisch." Tierschützer teilen sein Fazit: "Wir erleben hier die makaberste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme derWelt..."
So können Sie den Baby-Robben helfen
Im Rahmen einer Protestkampagne wendet sich der Internationale Tierschutz-Fonds IFAW, eine der größten Artenschutz-Organisationen der Welt, gegen das neuerliche Abschlachten der Robbenkinder an der Ostküste Kanadas. Angeprangert wird die wirtschaftliche Sinnlosigkeit, die staatliche Finanzierung durch Zuschüsse und die Brutalität der Schlächter: Tausende Babys werden noch bei lebendigem Leibegehäutet, beklagen Tierärzte.
Protestieren Sie schriftliöh bei der Botschafterin Marie Bernard-Meunier, Botschaft von Kanada, Friedrichstraße 95,10117 Berlin
Weitere Infos über die Robbenjagd :
www.ifaw.com/press/germany/gr010529.asp
Aktuell Juni 2002:
Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) mailt uns im Juni 2002: Rund 310 000 Sattelrobben mussten bereits in diesem Jahr ihr Leben lassen. 95 Prozent davon sind Robbenbabys und erst etwa drei bis vier Wochen alt. Das seien Zahlen wie zuletzt aus dem Jahre 1967, schreibt der IFAW. Die von der kanadischen Regierung offiziell festgelegte Fangquote von 275000 Tieren pro Jahr wurde bereits im April 2002 überschritten.
Mit Billigung der Regierung hatte der zuständige Fischereiminister Robert Thibault die vorher festgelegte offizielle Quote außer Kraft gesetzt und verzichtete außerdem auf die Anwendung gesetzlicher Vorschriften bei der Jagd. Die Jagdsaison sei verlängertworden, kritisieren die Tierschützer.
Nachdem die EU 1983 ein Importverbot für Produkte von Robbenbabys verhängt und damit dem Handel das Wasser abgegraben hatte, sei alle Welt sicher gewesen, dass die Jagd endgültig eingestellt werde. Kanada folgte endlich 1987 und verbot seinerseits das Schlachten, nahm dann aber
1995 die kommerzielle Robbenjagd wieder auf. Als Begründung wurde angeführt, die Robben seien Schuld am Rückgang der Kabeljaubestände auf den Grand Banks vor Neufundland und somit an der Arbeitslosigkeit vieler Fischer. " Die eigentliche Ursach liegt jedoch an der verantwortungslosen Fischereipolitik der Nordamerikaner.
Der IFAW belegt, dass auch wieder Babys von Sattelrobben erlegt wurden. Vielen Tieren wurden nur die Felle abgenommen. Die Kadaver blieben auch dies ist gegen die Vorschriften, die eine "volle Nutzung " der Tiere fordern - auf dem Eis liegen. "Was wir gesehen haben, war ein einziger Alptraum. Ganze Areale des Eises rot von Blut. Robbenmütter, die an den Überresten ihrer gehäuteten Babys schnuppern. Jede Menge Kadaver, die auf dem Eis herumliegen.
Eine internationale Gruppe von Tierärzten belegte im März 2001, dass wahrscheinlich 42 Prozent von 76 untersuchten Tiere bei lebendigem Leibe gehäutet wurden. Die Schädelverletzungen, die ihnen durch die Knüppel der Jäger zugefügt wurden, waren, zu gering, als dass sie die Tiere tatsächlich getötet hätten.
Die kanadische Regierung begründet ihre Handlungen mit einer gestiegenen Nachfrage nach Robbenprodukten in Europa. Auch Deutschland ist nach ihrer Angäbe ein guter Absatzmarkt", berichteten die Medien. Inwiefern dies den Tatsachen entspricht, werde der IFAW demnächst überprüfen.
Die Tierschutz-Organisationen appellieren an die europäische und kanadische Bevölkerung. Produkte aus Robbenhaut zu meiden, um die kanadische Regierung so zur Umkehr von ihrem "mörderischen Kurs" zu bewegen. Gleichzeitig wurde auf Alternativen hingewiesen. Rund um die Robben vor der Küste Kanadas lasse sich ein friedlicher Oko-Tourismus aufbauen, der profitabler sei als die Jagd. Es gibt erfolgversprechende Ansätze
Ausgeweitete Jagtquoten in Kanada
An Kanadas Atlantikküste dürfen in diesem Frühjahr und in den beiden kommenden Jahren insgesamt 975 000 Sattelrobbenerlegt werden. Mit dieser Entscheidung, das Fischereiministerium jetzt in Ottawa bekannt gab, wurde die Robbenjagd ausgeweitet.
Zudem dürfen wie bisherjährlich 10000'KlappmützenRobben getötet worden. Die-Tierschutzorganisation IFAW reagierte empört auf die neuen Jagdquoten, Kritik wurde zudem an den Jagdpraktiken geübt:
.Die Robben werden auf dem Eis erschlagenoder erschossen. Minister Robert Thibault sagte, der Drei-jahresplan basiere auf dem Prinzip der Bestandssicherung. "Robben sind eine Naturressource, die etwa 12000 Robbenjägern und ihren Familien eine wichtige Einkommensquelle bietet." Für Küstengemeinden in Neufundland-Labrador und Quebec sei die Jagd eine wichtige Erwerbsquelle.
Der Preis für Robbenfelle ist in den vergangenen Jahren gestiegen und liegt jetzt bei58 Dollar (35 Euro). Bisher hat Kanada jährlich Fangquoten festgelegt. Sie lagen in den vergangenen Jahren bei 275 000 Sattelrobben und 10 000 Klappmützen,
Jetzt geht das Ministerium zu einem Dreijahresplan über,der die Gesamtzahl der Robben festlegt, diein diesem Zeitraum erlegt werden dürfen.
Die jährliche Höchstzahl liegt bei 350000. Über drei Jahre dürfen damit bis zu 150000 Robben mehr erlegt werden als mit den bisherigen Quoten,
Das Ministerium schätzt, dass im Nordatlantik mindestens 5,2 Millionen, möglicherweise sogar 5,5 Millionen Sattelrobben leben. Seit den frühen 70-er Jahren habe sichder Bestand fast verdreifacht.
Nach Berechnungen des Ministeriums würde die Population im Jahr 2006 bei 4,7 Millionen Tieren liegen, falls in jedem Jahr die Fangquote tatsächlich ausgeschöpftwürde. Das Fischereiministerium widerstand Forderungen der Robbenjäger, die Jagd auf "Bluebacks", die jungen Klappmützen, wieder zuzulassen.
Auch die Jagd auf neugeborene Sattelrobben, die wegen ihres weißen Fells "White-coat" genannt werden, bleibt verboten. Allerdings verlieren die Tiere wenige Wochen nach der Geburt ihr weißes Fell und können dann gejagt werden.
Laut IFAW sind die meisten erlegten Sattelrobben Jungtiere im Alter von wenigen Monaten. Bei den wegen ihres blau schimmernden Fells "Blueback" genannten jungen Klappmützen tritt der Fellwechsel erst nach 14 Monaten ein. So lange sind sie geschützt.
Überraschend klar wandte sich das Ministerium gegen Argumente, die fischfressenden Robben würden die Erholung der Kabeljau Bestände verhindern. Hierfür gebe es keine ausreichenden Beweise. Das Ministerium lehnte vorerst die Ausweisung von Zonen ab, in denen Robben vollständig ausgerottet werden sollten, um Fischbestände zu schützen.
"Als ich dieses Amt annahm,
wusste ich, dass dies kein Popularitätswett-
bewerb ist", sagte Thibault angesichts des
Protests gegen viele seiner Entscheidungen.
Informationsquellen: N3 / Bild der Frau / Bunte - Der Spiegel u.a./Foto: WWF, aktualisiert Juni 2002/ Januar 2003


