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Haie

Meere sind bedroht

Eine ökologische Fischerei kann die Haie retten

  • Hamburg,
  • 30.05.2005,
  • veröffentlicht von

Schon seit ca. 400 Millionen Jahren schwimmen sie durch die Weltmeere - lange bevor die ersten Saurier aus dem Ei schlüpften. Sie zählen zu den ältesten heute lebenden Wirbeltieren: viele der elegant ge­formten Jäger existieren beinahe unverändert seit über 60 Millionen Jahren, als sich die Dinosaurier wieder von der Erde verabschiedeten.

Gestalt,Sinnesorgane und Anpassungsfähigkeit machen Haie soerfolgreich, dass sie bis heute in großer Artenzahl existieren:Wissenschaftler unterscheiden zur Zeit über 480 Arten, vom 15Zentimeter kurzen Steuerschwanz-Katzenhai bis zum etwa 14 Meter langen Walhai (Rhincodon typus) - dem größten Fisch überhaupt.

Lebensweise, Nahrung und Verhalten variieren sehr, nicht alle sindJäger. Der Walhai zum Beispiel kommt sanftmütig daher. Sein riesiges,knapp zwei Meter breites Maul öffnet er nur, um Plankton zu schlürfen. Pro Stunde filtriert er viele Tonnen Meerwasser. Besonders sportlich wirkt der bis zu drei Meter lange Langflossen-Mako (Isurus paucus),wenn er wie ein Delfin vollständig aus dem Wasser schnellt. Mit einerSpitzengeschwindigkeit von über 55 Kilometern pro Stunde gehört eraußerdem zu den schnellsten Haien. Das ungewöhnlichste Gesicht zeigenzweifellos die Hammerhaie, die die Evolution in besonderer Weiseangepasst hat. Der breite, flache Kopf wirkt wie eine Antenne, mit demsie selbst schwache elektrische Reize wahrnehmen und sogar im Sandvergrabene Fische aufspüren können.

Haie haben sich an jeden Meereslebensraum angepasst, von der Arktisüber die gemäßigten Breiten und die Tropen bis in die Antarktis. SogarSüßwasserbereiche haben sie erobert: der Gemeine Grundhai (Bullenhai, Carcharhinus leucas)zum Beispiel wagt sich weit in Flüsse vor, bis über 3.000 Kilometer vomMeeressalzwasser entfernt. Der bis zwei Meter lange Gangeshai (Glyphis gangeticus)gebärt seinen Nachwuchs wahrscheinlich im Süßwasser. Während sich diemeisten Haie sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See aufhalten,aber nicht tiefer als 300 Meter tauchen, ist zum Beispiel derPazifische Schlafhai (Somniosus pacificus) in ca. 1.000 Metern Tiefe zu Hause.


 

Fischerei

Die Hai-Bestände an der Ostküste der USA sind in den letzten 15 Jahren massiv zurückgegangen. Die Zahl der Hammerhaie sank um 89%, die der Fuchshaie um 80%, die der Weissen Haie um 79%. Die Populationen der Ozeanischen Weissspitzenhaie, Tigerhaie, Blauhaie und Makos sanken um 70%, 65%, 60% bzw. 40%. (Quelle: Baum et al. 2002).

Kanadische Forscher melden einen Rückgang von Ozeanischen Weissspitzenhai Populationen um 99%. Sie wurden in gewissen Regionen beinahe ausgelöscht (Quelle:
Baum and Myers 2003).

Haie werden nicht nur aktiv für ihr Fleisch, ihre Flossen oder Knorpel befischt. Millionen Haie sterben, als unverwertbarer Beifang, in den Netzen und Longlines der schwimmenden Fischfabriken.

Walhaie und Riesenhaie wurden 2002, die Weissen Haie 2004 von CITES in den Appendix II des Artenschutzabkommens aufgenommen. Diese Arten sind derart bedroht, dass der grenzüberschreitende Handel mit Produkten dieser Haie verboten werden musste.

Der "Internationalen Aktions Plan für Haie" von CITES und der FAO (Food and Agricultural Organization) stellt fest, dass:

  • mehr als 100 der über 400 Hai-Arten kommerziell genutzt werden
  • viele dieser Hai-Arten zu intensiv genutzt werden und ihr langfristiges Überleben nicht mehr garantiert werden kann
  • der internationale Hai-Handel viel zu wenig überwacht und kontrolliert wird.


Laut Statistiken der FAO (Food and Agricultural Organization) und TRAFFIC, dem Überwachungsorgan des WWF für den Handel mit Wildtieren, werden jährlich über 800'000 Tonnen oder mehr als 100 Millionen Haie gefangen.

TRAFFIC stellt fest, dass, obwohl Haie durch ihre späte Geschlechtsreife und die wenigen Jungen besonders unter Überfischung leiden, die Hai-Fischerei in Europa weder national noch regional reguliert ist.

Die Langleinen Fischerei brachte 1991 weltweit 8.3 Millionen Haie (232'425 Tonnen) ein. Es wird vermutet, dass etwa die Hälfte davon
Blauhaie waren.
Von diesen 8.3 Millionen Haien wurden mehr als 203'000 Tonnen weggeworfen, das sind 87%!

Zwischen 1984 und 1998 importierte die EU jährlich 37'000 Tonnen Haifleisch. Im selben Zeitraum exportierte sie 13'325 Tonnen Hai.

Zwischen 1988 und 1994 importierte die EU 143'770 Tonnen
Dornhaie. Dornhaie, die Lieferanten von «Schillerlocken», «Kalbsfisch», «Seeaal» oder «Fish & Chips» sind stark bedroht und in europäischen Gewässern fast ausgerottet (siehe auch den Shark Info Artikel: Requiem für die Schillerlocken «»).

Die Bestände der
Sandbankhaie wurden in den letzten 10 Jahren durch Überfischung um 85-90% reduziert.

In den USA, entlang der Atlantikküste und des Golfs von Mexiko werden jährlich ca. 2.5 Millionen Haie von Sportfischern gefischt, was einer Menge von 35'000 Tonnen entspricht. Davon werden ca. 20-40% (7'000 - 14'000 Tonnen oder 500'000 - 1'000'000 Haie) getötet.




Quelle:
Baum, J. K. and R. A. Myers. 2003. Shifting baselines and the decline of pelagic sharks in the Gulf of Mexico Ecology Letters. Volume 7 Issue 2 Page 135.

 

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